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Welche Ärzte sind bereits „ePA-ready“?

Für die Nutzung der ePA müssen Patienten wissen, welche Ärzte bereits ePA-ready sind – und ob sie die ePA dann auch anwenden wollen. Ein Pladoyer.

Stell Dir vor, Du bist in Deutschland irgendwo im Urlaub und suchst dringend einen Arzt …

… an einem fremden Ort, der Deine bereits mit vielen Gesundheitsinhalten gefüllte ePA nutzen kann und will. Tja, dann hast Du aktuell noch ein Problem! Warum? Weil Stand Anfang 2022 die meisten Arztpraxen noch nicht „ePA-ready“ sind. Das könnte Dich ganz schön frustrieren, falls der Arzt, den Du eher zufällig aussuchst, Deine mit viel Fleiss gefüllte ePA gar nicht benutzen kann (oder im schlimmsten Falle nicht will).

Vermutlich würde dieses Problem nicht auftreten, wenn Du bereits im Vorfeld eines Arztbesuchs genau darüber informiert bist, welche Ärzte tatsächlich ePA-ready sind? Gemeint damit: Arztpraxen, die schon einmal die ePA für x-beliebige Patienten erfolgreich gefüllt oder genutzt haben und auch künftig die ePA nutzen wollen.

Aber: Eine Infoquelle für die ePA-Readyness von Arztpraxen gibt es (noch) nicht!

Patienten, die z.B. im Urlaub innerhalb von Deutschland einen Arzt suchen, müssen also im Hinblick auf die ePA-Readyness auf den Zufall hoffen, den Arzt, der ePA-ready ist, zu finden. Das Ganze hat auch einen Grund: Aktuell scheint niemand für die Aufgabe diesbezüglicher Transparenz (allein) zuständig. Du könntest Dich fragen: Warum gibt es da Problem überhaupt? Die Ärzte sind doch verpflichtet, die Infrastruktur für die ePA zu kaufen. Dann sollte das doch auch bei jedem Arzt gut funktionieren?!

Die Antwort ist so einfach wie kompliziert:

  • Zunächst gibt es immer wieder technische Probleme mit der ePA in Arztpraxen. Die Ärzte können dafür nur selten etwas. Im Gegenteil: Viele Ärzte sind darüber verärgert, weil z.B. irgendein Softwareupdate Probleme verursacht, wo vorher keine waren. So fallen immer neue Kosten für die IT an, ohne dass betroffene Ärzte einen Mehrwert für sich erkennen könnten.
  • Dann benötigen Ärzte einen Heilberufsausweis (HBA), und den nicht nur für die ePA, sondern z.B. auch für das eRezept und die eAU – diesbezüglich hat es immer wieder Verzögerungen geben, für die Ärzte nichts konnten oder können.
  • Schließlich müssen Ärzte auch die Zeit finden, sich und ihr Team in viele komplexe Probleme der Infrastruktur einzuarbeiten. Und wenn sie es dann geschafft haben, funktioniert im schlimmsten Fall die Infrastruktur selbst nicht (das haben wir im Herbst 2021 live erlebt). Dann folgt auf Arztseite schnell Frustration.
  • Last but not least werden Ärzte auch nicht üppig für ihre mit der ePA einhergehenden Aufwände vergütet.

Lange Rede kurzer Sinn: Man kann Ärzten keinerlei „Generalvorwurf“ machen, wenn bei ihnen die ePA tatsächlich noch nicht einsatzbereit ist. Gleiches gilt, wenn sie als „verbranntes Kind“ aufgrund schlechter Erfahrung mit der Technik noch nicht zu den größten ePA-Fans zählen. Anders ist es wiederum bei Ärzten, welche die ePA grundsätzlich schlecht reden und so oder so gar nicht anwenden wollen. Aus Patientensicht ist das schwer verargumentierbar.

Viele Gründe führen zur Notwendigkeit von mehr Transparenz

Die Notwendigkeit des Hinweises im Hinblick auf die ePA-Readyness von Praxen ist folglich vielen Umständen geschuldet. Aber: Eine der konzeptionellen Schwachpunkte der ePA ist die starke Fragmentierung der Akteure und deren unterschiedliche Interessenlage, die „nicht immer“ mit den Interessen des Patienten übereinstimmt. Leider gilt im Rahmen gesetzlicher Akteure vielerorts die Frage: Habe ich überhaupt die Aufgabe, hier für Transparenz zu sorgen? Und falls ja: Bin ich auch dafür zuständig oder ist es jemand anders? So mancher Akteur würde vermutlich gerne diesbezüglich mehr tun, ist aber gesetzlich gebunden – und darf nicht, selbst wenn er wollte, diesbezüglich Geld in die Hand nehmen, um für mehr Transparenz zu sorgen. Daher: Bitte keine vorschnellen Schuldzuweisungen in irgendeine Richtung, es werde nicht genug für die diesbezügliche Transparenz getan!

Die Frage der Zuständigkeit und der Koordination entsprechender Aktivitäten ist tatsächlich komplex.

Doch jenseits der vielen unterschiedlichen Schranken gibt es im Hinblick auf die ePA-Readyness durchaus ähnliche Interessenlagen verschiedener Stakeholder, z.B. von Patienten und Krankenkassen: Letztere sehen ebenfalls die Notwendigkeit, die ePA-Readyness der Ärzte zu unterstützen und diese aktiv zu promoten. Der Grund ist einfach: Krankenkassen bewerben die ePA nach wie vor zögerlich, weil sie verhindern wollen, dass ein an der ePA interessierter Patient zum Arzt geht, z.B. um die ePA initial befüllen zu lassen, der Patient dann allerdings vom Arzt nach einiger Zeit erfährt: Sorry, ich bin noch nicht „ePA-ready“. Schlimmstenfalls sagt dann der Arzt auch noch: Ich werde die ePA nicht unterstützen, selbst wenn ich „ePA-ready“ wäre. Solche Ärzte gibt es – gut, wenn man als ePA-affinier Patient nicht gerade dort landet … Aber: Eine Umfrage der SBK zeigt, dass die statistische Chance dafür nach wie vor recht hoch ist.

Quelle: Siemens Betriebskrankenkasse (SBK)

Wer ist für das Thema zuständig? Eigentlich alle gemeinsam!

Nun muss man deutlich sagen: Es gibt bereits eine Reihe von Arztpraxen, die tatsächlich „ePA-ready“ sind. Aber: Es fehlt noch ein anerkannter Modus, wie Ärzte darauf hinweisen, dass sie „ePA-ready“ sind. Eine solche Kennzeichnung sollte nicht jeder Arzt individuell neu erfinden! Insofern wäre es ratsam, dass sich verschiedene Akteure zusammenschließen, um diesbezüglich (wettbewerbsübergreifend & trotz unterschiedlicher Interessen) an einem Strang zu ziehen, z.B. um ein diesbezügliches Logo etablieren und zu promoten.

Akteure in diesem Sinne sind insbesondere:

  • gesetzliche (& auch private) Krankenkassen
  • Verbände (Krankenkassen, Ärzte & Digital)
  • Staatliche Stellen (insbes. Ministerien und Spezifikatoren)
  • Arztsuchmaschinen und Bewertungsportale
  • Besonders wichtig: Patientenvertreter!

Die Liste zeigt schon: Das wird nicht einfach, weil irgendwie alle und doch keiner für eine solche Kennzeichnung – vor allem aber ihren fachlichen Inhalt – zuständig ist.

Man muss viele Aspekte beachten

Es ist tatsächlich vielerlei zu überlegen, bevor so ein ePA-Readyness-Label publiziert würde. Zum Beispiel im Hinblick auf die Wahl der richtigen Worte und damit die patientengerechte „Verpackung“:

  • Welcher Begriff ist für normale Bürger/Patienten und Ärzte am besten geeignet – tatsächlich „ePA-ready“?
  • Könnten nicht viele Menschen sagen: Eine Kombination von zwei Begriffen, die mir beide nichts sagen?
  • Für jüngere Menschen ist „ready“ klar verständlich – aber die sind ja meist gesund.
  • Die älteren, die über weniger Gesundheit verfügen, ist der Begriff nicht ohne weiteres selbsterklärend.
  • Wen würde man mit einer ePA-Readyness wohl zuerst ansprechen: Jüngere, digital affine, oder ältere Zielgruppen?
  • Folglich müßte dieser Punkt gut recherchiert sein: Welche Bezeichnung für welche Zielgruppe hilft tatsächlich weiter?

Dann zum „Inhalt“:

  • Was bedeutet „ePA-ready“ genau? Dass ein Arzt technisch an die Telematik-Infrastruktur angeschlossen ist?
  • Dass er bereits erfolgreich eine erste ePA befüllt hat?
  • Dass sein Praxisteam ebenfalls mit der ePA umgehen kann?
  • Auch darüber müßte man sich Gedanken machen.

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg

Ohne jede Frage: Beim Thema „ePA-readyness“ gäbe es im Vorfeld vieles zu beachten und zu durchdenken. Vor allem: Was ist mit den Ärzten bzw. Praxen, die liebend gerne ePA-ready sein wollen, es aber aus Gründen, die nicht in ihrer Macht liegen, einfach noch nicht sind? Das gilt vor allem für technische Probleme. Darf man diese Ärzte benachteiligen? Wie kann ihnen geholfen werden?

Umso wichtiger, dass man den diesbezüglichen Handlungsbedarf erkennt: Aus Patientensicht ist eine „ePA-ready“-Kennzeichnung ohne Frage sinnvoll. Sie umzusetzen erfordert das Zusammenspiel verschiedener Akteure, da kein Akteur allein diese Herausforderungen meistern kann und wird. Doch auch hier gilt: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!

Weiterführende Informationen:

Der CDO der DAK, Dr. Helmut Gerhards, zur Relevanz der ePA Readiness aus Kassensicht auf der Digital Health Konferenz des BITKOM 2021 (Min 21.45)

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