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Von der Corona-Warn-App für die ePA lernen?!

Quelle: Bertelsmann-Stiftung

Vor einem Jahr verfaßte die Bertelsmann-Stiftung potenzielle Learnings von der Corona-Warn-App für die ePA. Ein Update.

Analyse der Bertelsmann-Stiftung von März 2021

Zwei Medizin-Experten der Bertelsmann-Stiftung, Dr. Stefan Etgeton und Dr. Thomas Kostera, haben auf dem Blog „Der Digitale Patient“ die Erfolgsfaktoren der Corona-Warn-App als auch der ePA gegenüber gestellt. Die Ergebnisse und Rückschlüsse sind hoch spannend – der Artikel sei Dir daher zunächst als Original zum Lesen empfohlen.

Die Kernergebnisse:

  • Der Schlüssel zur Akzeptanz von digitalen Gesundheitslösungen ist eine rasche individuelle Nutzenerfahrung: Am besten lassen sich Anwender gewinnen, wenn diese einen konkreten Nutzen für sich erfahren.
  • Die Bevölkerung hat prinzipiell eine hohe Bereitschaft, Gesundheitsdaten zu teilen, sofern der Zweck als sinnvoll erachtet wird.
  • Die Bereitschaft, Daten zu teilen, lässt sich durch kluge Grundeinstellungen mit einer Widerspruchsoption fördern, also wenn Nutzerinnen und Nutzer die Datenhoheit behalten und das Teilen von Daten individuell deaktivieren können (Opt-out).
  • Der stufenweise Ausbau der ePA-Funktionalitäten sollte transparent kommuniziert werden, um keine falschen Erwartungen zu wecken und Frustration zu vermeiden.
  • Als Anbieterinnen der ePA sollten insbesondere Krankenkassen die Phasen der Einführung proaktiv kommunizieren.

Die Thesen werden sehr gut hergeleitet, beruhen aber noch auf den Erkenntnissen von vor einem Jahr. Interessant ist daher, ob und wie sich die Gegenwart in dieser Hinsicht darstellt und welche Rückschlüsse dies auch für die ePA ermöglichen könnte.

Entwicklungen bis Februar 2022

Zunächst zu den blanken Zahlen: Die Corona-Warn-App wurde im Juni 2020 gelauncht. Sie war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung im März 2021 bereits 26 Millionen mal downgeloadet worden. Bis Februar 2022 sind 42,5 Millionen Downloads erfolgt. Nicht explizit ausgeführt ist, wie oft die App auch wieder deinstalliert und (ggf. zeitversetzt) wieder neu installiert wurde. Insofern ist nicht sicher, ob die Anzahl der App-Nutzer bis heute tatsächlich so stark gegenüber März 2021 angestiegen ist, wie es auf den ersten Blick aussieht.

Seit Auftauchen der Omnikron-Variante wird allerdings immer häufiger die Frage nach der Leistungsfähigkeit der Corona-Warn-App gestellt. So schreib DIE ZEIT: „Viele Anwenderinnen und Anwender bekommen nun ständig die rote Kachel mit dem Warnhinweis «Erhöhtes Risiko» angezeigt, weil sich Tag für Tag Zehntausende neu mit dem Virus infizieren und das positive Testergebnis auch in die App eintragen.“ Kurz danach folgt der Satz: „Die App stößt in Hochphase von Omikron an ihre Grenzen.“ Vor allem wegen dem Anspruch auf einen PCR-Test, der sich aus den Warnmeldungen ergibt. Da dies Probleme verursachte, erfolgte sogar Anfang Februar eine Abwertung der Corona-Warn-App durch Bundesgesundheitsminister Lauterbach. Auch die Frage, ob und wann die Zertifikate richtig angezeigt werden, hat immer mehr Menschen irritiert.

All dies schmälert den Nutzen der Corona-Warn-App nicht!

Aber: Auch diesbezüglich kann die ePA von der Corona-Warn-App in zweierlei Hinsicht noch dazu lernen!

  • Zum einen kann man die These aufstellen, dass eine Gesundheits-App nicht allzu sehr verwirren soll und darf – vor allem dann, wenn man sie täglich nutzt!
  • Zum anderen kann man daraus die These ableiten, dass die ePA einen ganz anderen Use Case besitzt, der für die Kommunikation der ePA im Vergleich zur Coronal-Warn-App relevant erscheint: Man muss sie nicht täglich nutzen!

Zunächst zum ersten Punkt:

  • Auch ich – und überhaupt ganz viele Menschen die ich kenne – schauen schon gar nicht mehr genau hin, wenn die rote Kachel kommt, weil die Frage, was man daraus ablesen sollte, kaum zu beantworten ist.
  • Wenn also zwei Wochen nach einer Begegnung angezeigt wird, man habe jemanden getroffen, der positiv gewesen ist, man den Kalender bemühen muss, wann und wo das gewesen sein könnte, die Zeit aber eh schon so lange her ist, dass man selbst im Fall der Erkenntnis „das war da oder dort“ nichts an seinem Verhalten ändert, dann führt dies durchaus zu „negativen Impressionen“.
  • Wenn dann noch die politischen Bewertungen, wie lange eine Genesung einen Impfschutz bewirkt oder nicht, dann kann zwar die App nicht wirklich etwas dafür, da diese aber Zertifikate enthält, wirkt sich dies unmittelbar auf die Wahrnehmung der App und ihres Nutzens aus.

Nun zum zweiten Punkt:

  • Eine wichtige Eigenschaft der ePA ist, dass sie im Idealfall eine „ruhige“ und wenig genutzte App ist, die für Dich selbst dann Sinn macht, wenn Du nicht oft nutzen mußt – denn dann bist Du auch nicht beim Arzt gewesen und es geht Dir als Patient gut!
  • Die ePA ist eine Informationsquelle für den „Fall der Fälle“. Du kannst sie (je nach Krankheit) nach Befüllung getrost 2 Jahre lang vergessen – Hauptsache Du erinnerst Dich an sie, wenn es drauf ankommt.
  • Anders formuliert: Eine ePA sollte stets aktuell sein – das ist sie auch dann, wenn Du nur 5x im Jahr zum Arzt gehst und lediglich relevante Ergebnisse auf die ePA überträgst.

Erweiterte Learnings für die ePA

Der potenzielle regelmäßige „Verwirrungs-Faktor“ einer Corona-Warn-App sollte bei der ePA umgewandelt werden in ein Gefühl der Sicherheit:

  • Du mußt die ePA nicht jeden Tag nutzen, nachdem Du sie gefüllt hast!
  • Du mußt auch nicht alle noch so detaillierten Daten auf ihr speichern – nur die relevanten Informationen!
  • Geht es Dir gut und Du mußt nicht zum Arzt, dann genieße die Tatsache, dass Du eine ePA hast, aber nur dann wieder benötigst, wenn es Dir wieder nicht so gut gehen sollte.
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