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Fragen von Psychotherapeuten und Psychologen im Hinblick auf die ePA

Wichtige ePA-Anwender auf Arztseite sind Psychotherapeuten und Psychologen. Ihre Fragen zur ePA im Rahmen einer regionalen Kammerveranstaltung sind sehr interessant und aufschlussreich.

Psychotherapie als Stigma

Vorab: Wir (= die Initiatoren des ePA-Magazins, Michaela und Oliver) haben beide schon psychotherapeutische Beratung in Anspruch genommen. Wir wissen, dass es aus Patientensicht ein kniffliges Thema ist. Anders als in Amerika, wo es entsprechend vieler Hollywood-Filme normal zu sein scheint, über seine psychologische Betreuung offen zu sprechen, ist es im europäischen Raum eher stigmatisiert. Die Angst: Man könnte glauben, dass man als Mensch nicht mehr richtig funktioniert.

Die typische Reaktion: Strengste Geheimhaltung! Bloss keine Schwäche zeigen!

Im Hinblick auf die ePA ist dies durchaus interessant, denn Dokumente, die ein Psychotherapeut darin ablegt, könnten in die falschen ärztlichen Hände geraten. Warum soll Dein Hausarzt oder Facharzt wissen, weshalb Du in diesbezüglicher Behandlung bist? Das Interesse an Geheimhaltung ist berechtigt. Daher muss der Patient die absolute Kontrolle über jedes einzelne Dokument seiner Behandlung haben. Kein Wunder, dass bei der ePA 1.0 die Skepsis der Bundes Psychotherapeutenkammer (BPtK), ihrer Mitglieder und bei Datenschützern besonders groß gewesen ist, denn in der ePA 1.0 gab es noch keine mittel- oder feingranulare Rechtevergabe. Wer was sehen konnte, schien dem Zufall überlassen. Hinzu kommt, dass nach wie vor viele Psychotherapeuten lieber mit Papier und Bleistift arbeiten als mit dem Computer – was absolut berechtigt ist und auch aus Patientensicht mitunter vorteilhaft erscheint, wenn während der Therapie nicht dauernd die Tastatur klappert (aber: Eine „leise“ Alternative für die Zukunft ist aber wohl das Tablet).

Reges Interesse von Psychotherapeuten an der ePA

Vor diesem Hintergrund mag es erstaunen, dass bei einer Veranstaltung einer regionalen Psychotherapeutenkammer im August 2021 immerhin gut 700 Teilnehmer Details über die ePA erfahren wollten. Die dabei entstandenen Fragen reichten von fachlichen Verständnisfragen über Beratungshilfen für Patienten zur ePA, bishin zur Finanzierung. Gleich vorab stellte die Sprecherin der Kammer klar, dass diese nicht Gesellschafter der gematik sei (das ist das Unternehmen, das die ePA technisch spezifiziert), sondern nur beratend bzgl. der ePA agiere. Als öffentlich-rechtliche Kammer habe man zudem nicht die Aufgabe, die ePA zu „boykottieren“, sondern bestehende Gesetze umzusetzen. Nichts desto trotz sei man der Meinung, dass zum damaligen Zeitpunkt Datenschutzbedenken berechtigt wären und Sanktionen gegenüber Ärzten, welche die ePA nicht anwenden wollten, wenig hilfreich erscheinen würden, um das Interesse an ihr zu steigern.

Viele konkret-operative Fragen

Nach einer kurzen Intro prasselten die konkreten Fragen der Teilnehmer nur so herein:

  • Müsse man als Psychotherapeut die Daten der letzten 10 Jahre in die ePA aufgespielen oder nur Zukunftsdaten?
  • Müssen neben Diagnosedaten noch weitere Daten wie z.B. Stundenprotokolle aufgespielt werden?
  • Kann ein Patient das Recht zum Zugriff an den einmal auf die ePA ausgespielten Daten wieder entziehen?
  • Welches Verhältnis besteht zwischen den lokal gespeicherten und auf der ePA ausgespielten Daten?
  • Wie kann das Aufspielen auf die ePA abgerechnet werden?
  • Wie sieht die ePA auf Arzt- als auch auf Patientenseite aus?
  • Welche Informationsmaterialien könnten Patienten zur ePA mitgegeben werden?
  • Ees folgten dutzende weiterer Fragen.

Aufgrund des regen Interesses und des hohen Informationsbedarfs wurde die Veranstaltung aufgezeichnet und den Kammer-Mitgliedern im Nachgang zur Verfügung gestellt. Mit dabei war auch die Vorführung eines ePA-Demonstrators, der vielen Teilnehmern erstmals die Möglichkeit gab, sich im wahrsten Sinne des Wortes „ein eigenes Bild“ von der ePA zu machen.

Integration in Praxisalltag

Die Hauptfrage, die sich bei der Veranstaltung wie ein roter Faden durchgezogen hat, war die Frage, wie die ePA in jahrzehntelang gewohnte Abläufe und damit in den Praxisalltag integriert werden könne. Diese Frage war definitiv konstruktiv zu verstehen: Wie kann ein realistisches Changemanagement im Kontext digitaler Gesundheitstools wie der ePA aussehen? Welche Unterstützung ist von wem zu erwarten?

Unabhängig davon schien aber eines klar:

Selbst auf Seiten der Psychotherapeuten, die zu Recht besonders hohe Ansprüche an den Datenschutz stellen bzw. gestellt haben, war eine grundsätzlich konstruktive Stimmung zu erleben. Wichtigstes Statement erfolgte am Schluss: Wie kann man erreichen, dass Menschen im Alltag über die ePA sprechen? Zum Beispiel an der Bushaltestelle. Auch Servicemitarbeiter und Mitarbeiter in Praxen müßten noch viel mehr über die ePA erfahren, denn – so die Anekdote eines Teilnehmers am Rande – nachdem ein Dialog zur ePA begonnen worden sei, wären bei ihm ebenso wie bei seinen Patienten Neugierde und Verständnis geweckt worden und Offenheit für die Vorteile der ePA erzielt worden.

Ergo: Der Erfolg der ePA – auch bei Psychotherapeuten und ihren Patienten – ist vor allem eine Frage der Kommunikation!

Seit der ePA 2.0 gibt es granulare Berechtigungen

Zum Schluß noch einmal das Wichtigste: Die ePA 2.0 ermöglicht es, dass der Anwender die 100%ige Kontrolle darüber hat, ob und wer auf welche Daten wie lange zugreifen darf. Das heißt: Wenn Du als Patient Deinen Psychotherapeuten darum bittest, seine Aufzeichnungen auf die ePA aufzuspielen, sieht niemand außer Dir die Daten. Aber – und das ist auch für Dich ein Vorteil – Du kannst die Aufzeichnungen selbst einsehen. Das war bislang nämlich nicht ohne weiteres so einfach möglich. Auch wir (s.o.) kennen bis heute nicht die Aufzeichnungen von unseren Sitzungen – rückblickend wäre es durchaus interessant, diese einmal zu studieren.

Ob ePA oder ob nicht: Du entscheidest – auch bei der Psychotherapie!

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