HomeArtikel66 Prozent der Bundesbürger wollen laut BITKOM die Elektronische Patientenakte nutzen

66 Prozent der Bundesbürger wollen laut BITKOM die Elektronische Patientenakte nutzen

Quelle: BITKOM

Eine repräsentative Umfrage des BITKOM hat ergeben, dass 66% der Bundesbürger die Elektronische Patietnenakte nutzen wollen. Eine erfreuliche Info, mit kleinen Widerhaken. 

Corona als Treiber digitaler Lösungen

Im Sommer 2021 hat der Branchenverband der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche (BITKOM) in einer repräsentativen Umfrage festgestellt: Gut 66% der Bundesbürger befürworten die ePA und wollen sie künftig nutzen. Dagegen lehnen „nur“ rund 21% die ePA ab. Die Umfrage verdeutlicht u.a. dass Corona die Bundesbürger im Hinblick auf Digital-Health-Angebote „aufgeweckt“ hat. Danach haben 78% der Befragten angegeben, dass Corona ihnen die Notwendigkeit digitaler Services wie z.B. einer Corona-App deutlich gemacht hat. Rund 70% fordern daher mehr Tempo in der Entwicklung digitaler Gesundheitsservices.

Das klingt nicht nur positiv. Das ist es auch!

Übersetzen wir das mal in Zahlen: In Deutschland leben rund 70 Millionen volljährige Menschen, sprich Erwachsene. Davon 66%: Das sind Pi mal Daumen 45 Millionen Bürger, die den grundsätzlichen Sinn einer ePA für sich erkennen. Wow! Klingt super, hat allerdings aktuell noch einen kleinen Schönheitsfehler: Stand Februar 2022 nutzen von diesen 45 Millionen Bürger nach wie vor nur 383.000 die ePA. Da muss man keine Prozentzahlen mehr nennen, um zu erkennen: Viel ist das bislang noch nicht! Auch die Krankenversicherung SBK veröffentlichte Anfang Februar die Anzahl ihrer ePA-Nutzer: Seit dem Start der ePA 2.0 im Januar 2022 kamen nur 500 dazu. Das ist zwar eine Steigerung, denn 2021 waren es nur durchschnittlich 150 pro Monat. Insgesamt ist die Zahl aber nach wie vor überschaubar. Die SBK geht deshalb noch einen Schritt weiter und kommentiert die Gründe, die ihrer Meinung nach den suboptimalen Stand erklären: Es fehlt vorne und hinten an Aufklärung! Und: Es fehlt vielerorts an der ePA-Readyness vieler Arztpraxen.

Quelle: Siemens Betriebskrankenkasse (SBK)

Mehr Initiative der Patienten erforderlich?!

Die Umfrage der SBK bringt aber auch etwas anderes zum Vorschein: Wenn es stimmt, dann haben immerhin 83% der Befragten auch noch nie ihren Arzt zur ePA befragt – und dass, obwohl 66% der Bundesbürger die ePA zu wünschen scheinen. Kurzum: Es fehlen offenbar Aufhänger, sich über die ePA zu informieren, wenn man als Patient in der Praxis ist. Das ist, mit Verlaub, auch absolut verständlich! Wenn ich als Patient beim Arzt bin, habe ich in der Regel gerade andere Sorgen als die ePA. Das Interesse an diesem Thema muss schon sehr hoch sein, damit ein Durchschnittsbürger, der gerade auch noch krank ist, seinen Arzt auf das Thema ePA aufmerksam macht bzw. sich über die ePA informieren will.

Weiterhin interessant: Offenbar sind nur 2% der befragten Ärzte gegen die ePA gestimmt gewesen. Das entspricht zwar statistisch rund 1/3 der befragten Ärzteschaft. Umgekehrt sind 2/3 der Ärzte nicht gegen die ePA gewesen. Aber: Sie hatten noch keine ePA-Readyness.

Damit zum Blick nach vorn: Ärzte könnten und sollten auch ohne ePA-Readyness mit durchaus einfachen Mitteln auf das Thema ePA in der Praxis aufmerksam machen und zum Gespräch zur ePA animieren – immerhin interessieren sich 2/3 der Patienten für das Thema! Wie einfach ein solcher Aufhänger aussehen kann, zeigt das Beispiel einer Traunsteiner Gemeinschaftspraxis, die ihre Patientenaufnahmebögen mit einem Hinweis auf die ePA versehen hat. Ebenso könnten Ärzte (künftig) ePA-Flyer in ihren Praxen auslegen. Wie so einer aussehen sollte, zeigt das Beispiel der BAG-Selbsthilfe. Dann, wenn ein Gespräch einmal begonnen ist, kann die Antwort der Ärzte ruhig lauten: „Wir arbeiten daran, dass die ePA künftig auch bei uns einsatzfähig ist. Wir informieren Sie gerne, sobald dies der Fall ist.“

Es fehlt nicht viel, um mehr ePA-Dynamik zu erzeugen

Faßt man das zuvor Geschriebene zusammen, ergeben sich Muster, um mehr Dynamik bei der ePA zu entfachen:

  • Viele Bürger stehen der ePA positiv gegenüber!
  • Aber: Die Bürger informieren sich aktuell noch zu wenig über die ePA.
  • Innerhalb von Arztpraxen gibt es viele Möglichkeiten, mit einfachen Mitteln auf die ePA aufmerksam zu machen.
  • Einige Ärzte zeigen bereits, dass dies geht!
  • Das gilt selbst dann, wenn die ePA noch nicht 100% einsatzfähig ist.

In diesem Sinne: Einfach machen (auf beiden Seiten)!

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