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35.000 neue ePA-Registrierungen in einem Monat – viel oder wenig?

Am 26. März 2022 wurden knapp 435.000 Elektronische Patientenakten (ePA) gezählt. Einen Monat vorher waren  es 35.000 ePAs weniger. Ist das nun ein Erfolg oder nicht? Eine Einschätzung.

Hohe Transparenz dank TI-Dashboard der gematik

Zuerst einmal: Danke gematik für das TI-Dashboard. Es ermöglicht Transparenz im Hinblick auf die auf der Telematik Infrastruktur laufenden Dienste, darunter das E-Rezept, die E-AU und die Elektronische Patientenakte (ePA). Und das in Echtzeit. Wer sich für die ePA interessiert, sollte dieses Dashboard auf jeden Fall einmal gesehen haben.

Nun zu den Zahlen der ePA laut TI-Dashboard:

  • am 26. Januar 2022 wurden 366.000 aktivierte ePAs  gezählt.
  • am 26. Februar 2022 waren es 398.784.
  • am 26. März 2022 sind es 434.302.
  • am 27. März kamen rund 1.500 ePA dazu (an einem Tag)

Die Frage, die sich nun stellt: Ist dies bereits als Erfolg zu werten, wenn die Zahlen kontinuierlich wachsen, die absoluten Zahlen allerdings noch übersichtlich sind? Die hier vertretene These: Es ist durchaus ein positives Signal, denn die Zahlen verraten einiges, das sich erst auf den zweiten Blick erschließt. Nachfolgend einige Gedankenspiele zur weiteren Entwicklung der ePA auf Basis öffentlich zugänglicher Statistiken.

In einem Jahr eine Million aktivierte ePAs?!

Interessant ist vor allem die letzte Zahl, die über einige Wochen hinweg stabil zu sein scheint: Danach kommen über 1.000 ePAs pro Tag dazu. Tendenz: Zunehmend. Das heißt, dass es zwar im Laufe des März nicht immer 1.500 pro Tag gewesen sind, aber aufgrund der kontinuierlichen Progression könnte man 1.500 pro Tag als eine Zahl betrachten, die sich als Basis einer Hochrechnung für das Folgejahr eignet.

Heißt übersetzt: Wenn die Zunahme halbwegs konstant bleibt und 1.500 ePAs über ein Jahr dazu kommen, sind dies bis Ende März 2022 plus/minus 540.000 ePAs on Top zu den 435.000 ePAs von heute. Das bedeutet: Es könnten in einem Jahr, also im März 2023, knapp 1 Mio. aktivierte ePAs geben. Je nach Stabilität der Progression könnten es mehr oder natürlich auch weniger sein.

Eine Million ePAs: Das wären bei 57 Millionen zahlenden Versicherten in der GKV noch unter 2%. Klingt wenig. Aber die Zahl lässt außer Acht, dass sich rund 65% der Deutschen gesund fühlen. Gehen wir mal davon aus, dass sich diese 65% der Bevölkerung sowieso (noch) nicht allzu sehr von der ePA angesprochen fühlen. Damit wäre die Zahl der ePA-Nutzer Ende März 2023 relativ gesehen gar so nicht schlecht, denn dann wären es rund 20.000.000 kranke Menschen in Deutschland, von denen 1 Mio. eine ePA hätten. Das entspräche 5% derjenigen, die sich nicht gesund fühlen – und deshalb vermutlich auch regelmäßig zum Arzt gehen.

Progression in drei weiteren Jahren?!

Unterstellt, dass die aktuellen Zahlen stimmen, muss ein Faktor noch einmal besonders betont werden: Die meisten Krankenkassen bewerben die ePA aktuell noch nicht:

  • Zum einen sind viele Ärzte u.a. aus technischen Gründen noch nicht „ePA-ready„.
  • Zum anderen befindet sich die ePA nach wie vor in der technischen (Weiter-)Entwicklung.

Sollten sich beide Faktoren ändern und die Krankenkassen nach März 2023 die folgenden drei Jahre die ePA konsequent aktiv bewerben, dürfte die Zahl der täglich hinzukommenden ePAs deutlich ansteigen. Sagen wir einmal um mindestens das Doppelte.

  • Dann würden pro Tag 3.000 ePA aktiviert.
  • Dies wären etwa 1 Mio. im Jahr.
  • Im März des Jahres 2026 könnten demnach insgesamt 4 Mio ePAs aktiviert sein.
  • Weitere fünf Jahre später (mit leichter Progression) wären es insgesamt 10 Mio ePAs.

Diese Zahl liest sich dann schon etwas anders. Natürlich ist auch das noch nicht die Anzahl, die man bei einem opt-out-Ansatz mit theoretischen 90% erzielen würde. Aber: Es wären immerhin über 10% der Bevölkerung, die sich für die ePA auf Basis eines opt-in entscheiden würden.

Fazit: So schlecht sind die aktuellen Zahlen nicht!

Natürlich sind all die vorherigen Überlegungen fiktiv. Niemand weiß, ob sie sich tatsächlich so oder so ähnlich entwickeln werden. Allerdings kann man auch die Meinung vertreten, dass die aktuellen Zahlen mit bis zu 1.500 neuen ePA-Nutzer am Tag keine schlechte Basis für eine solche Entwicklung sind. Sollte sich die Technik auf Seiten der Ärzteschaft künftig auch noch stabiler werden, die Nachfrage auf Patientenseite steigen und eine TI 2.0 zudem die bisherige Infrastruktur ablösen, dann könnte die skizzierte Entwicklung durchaus realistisch sein.

Das finale Votum: 35.000 ePAs in einem Monat ist in Anbetracht der skizzierten Umstände durchaus ein Achtungserfolg.

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